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Zverev Roundtable — Tennis With A German Accent

Tennis Accent Staff

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Geoff Burke -- USA TODAY Sports

German translation of our Sascha Zverev roundtable by @daflurl:

Runder Tisch – Wird Sascha Zverev 2019 ein Major gewinnen?

JANE VOIGT — @downthetee

Die Grand Slam Zukunft eines Spielers vorherzusagen gleicht einem Glücksspiel. Alexander Zverevs Chancen, 2019 ein Grand Slam Turnier zu gewinnen, sind letzten Sonntag bei den Nitto ATP Finals mit seinem 6-4, 6-3 Finalsieg über den 5-fach Sieger und die Nummer 1 der Welt dennoch gestiegen. Dieses Ergebnis gegen den stärksten Spieler auf der Tour seit Wimbledon war nicht unbedingt zu erwarten.

Der 21 Jahre alte Zverev zeigte allerdings mentale Stärke, eine Vorhand mit viel mehr Punch als noch vor einem Monat sowie ein sehr gutes Stellungsspiel näher an der Grundlinie, mit dem er Djokovic wichtige Zeit für seine Schläge und damit den gewohnten Komfort genommen hat.

Der Finalsieg war aber noch nicht alles.  Im Semifinale hat er Roger Federer geschlagen, der das prestigeträchtige ATP Abschlussturnier ganze 6 Mal gewonnen hat. Die direkt aufeinanderfolgenden Siege über diese beiden Größen, die gemeinsam eine Sammlung von 34 Grand Slam Titel vorweisen können, geben dem 1,98m großen Deutschen bestimmt viel Vertrauen in sich selbst, in sein Team und seinen neuen Trainer Ivan Lendl, das es in die kommende Saison mitzunehmen gilt.

Sport Experten sprechen schon seit mehr als einem Jahr davon, dass Zverev ein Grand Slam Turnier gewinnen wird. Mit dem Viertelfinale in Roland Garros ist er diesem Ziel schon etwas näher gekommen, seine Schwäche in 5-Satz Matches hat aber weitere Vorstöße auf dieser Ebene verhindert.

Möglicherweise war Lendl derjenige in seinem Team, der ihm nahegelegt hat, näher an der Grundlinie zu stehen. Möglicherweise war er es, der ihm geraten hat, auf sich zu vertrauen,  ans Netz zu kommen und Punkte schneller abzuschließen.

Sollte das der Fall gewesen sein und Zverev diese Ratschläge weiterhin befolgen, dann wird er auch bald auf Grand Slam Ebene zur Spitze gehören.

ANDREW BURTON – @burtonad

Zverev war erst 20, da wurde schon so viel von ihm erwartet. Heuer konnte er sich zum 2. Mal für das Turnier der 8 besten Spielern qualifizieren; nun hat er den Publikumsliebling im Semifinale und den aktuell Besten Spieler (gegen den er schon in der Gruppenphase gespielt hat) im Finale direkt hintereinander geschlagen. Die ATP hat einen neuen, leuchtenden Stern. Aber wird sein Aufstieg nächstes Jahr weitergehen?

Wäre nächstes Jahr 2004, wäre die Antwort JA.

Mit seinen Sieg 2003 in Houston hat Roger Federer einen 4-jährigen Erfolgslauf gestartet, in dem er 11 Majors, 3 davon im Jahr 2004, gewonnen hat. Schon 2005 wurde Federer als möglicher „Bester aller Zeiten“ Kandidat gehandelt. Obwohl er seinen ersten Majortitel schon früher im Jahr 2003 (in Wimbledon) gewonnen hat, war er in Houston nicht die Hauptattraktion. Andre Agassi und Andy Roddick (die 2003 auch Majortitel gewonnen haben) gehörten die Herzen des texanischen Publikums und Turnierpromotor, Mattress Mac“ Jim McIngvale.

McIngvale hat Federer während der Siegerehrung fast ignoriert, da er sich in seinem Stolz verletzt fühlte weil sich der junge Schweizer in Interviews negativ zu den Bedingungen des Platzes geäußert hatte. Im November 2004 als Federer zweifellos der größte Star im Herrentennis war, versöhnten sich die beiden. McIngvale lud Federer und den ehemaligen Präsidenten George Bush sowie First Lady Barbara Bush zu einem Mittagessen in seinen Club. (der aus Houston stammende Bush war ein ehemaliger Topspieler in seinen jüngeren Jahren).

Steht diese Zukunft auch Sascha Zverev bevor? Möglicherweise noch nicht. Im Gegensatz zu Federer hat Zverev noch kein Major gewonnen: Sein bestes Resultat ist nur ein Viertelfinale in Roland Garros im heurigen Jahr. Zverev spielte heuer eine ordentliche Saison, die er als Nummer 4 im Ranking beendete: Abgesehen vom Titel in London hat er das M-1000 in Madrid, das 500er Turnier in Washington und das 250er in München gewonnen. Zudem stand er im Finale der beiden M-1000 Turniere in Miami und Rom. Seine Bilanz war 58-19: Federers Bilanz 2003 war 78-17.

Zverevs Ausgangslage ist klar. Er ist ein klassischer Topspieler der späten 2010er Jahre. Mit 1,98m ist er genauso groß wie Juan Martin del Potro, bewegt sich aber deutlich besser als der Argentinier. Bei seinem Sieg am Samstag gegen Federer sagte ich, dass er mich an eine verbesserte Version von Tomas Berdych erinnert. Mit 21 Jahren ist er weit und breit der kompletteste aller jungen Spieler auf der Tour, der große Titel vor sich hat. Mit seinem Sieg am Sonntag ist er der erst 4. Spieler nach Andy Murray, Rafael Nadal und David Nalbandian, der Federer und Djokovic im Semifinale und Finale des gleichen Turnieres geschlagen hat.

Die Gegenargumente (für 2019) liegen jedoch auch auf der Hand. Das 7-Spiele Format bei den Majors hat er bis jetzt noch nicht optimal gemeistert. Dabei gilt es, in den frühen Runden nur so viel zu investieren um die 2. Woche mit einem fast vollen körperlichen und mentalen Akku zu erreichen. Auf dem Weg ins Viertelfinale von Paris musste er in den 3 vorhergehenden Runden jeweils einen 2 zu 1 Satzrückstand aufholen, wodurch er Dominic Thiem nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Anfangs der Woche in London habe ich geschrieben, dass Zverev imstande ist, aggressiv zu spielen aber gerne in konservatives Spiel verfällt. Im Montreal Finale 2017 hat er gegen Federer von Anfang an aggressiv gespielt: Das würde ich gerne öfter von ihm sehen.

Wird er 2019 ein Grand Slam Turnier gewinnen? Von mir kommt ein klares „vielleicht“: um genauer zu sein würde ich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit in etwa bei 35% liegt.

Heutzutage stellt sich Erfolg erst später ein als noch in den 2000er oder den 1990er Jahren. Vielleicht ist 21 das neue 18 oder 19. Und vielleicht steht 2019, 2020, 2021 und 2022 – und darüber hinaus – ganz im Zeichen von Sascha Zverev.

MERT ERTUNGA – @MertovsTDesk

Ich hasse es der weniger Enthusiastische hier zu sein, aber ein Major zu gewinnen – 5-Satz Matches zu spielen – ist eine ganz andere Herausforderung als sie Zverev in der O2 Arena zu überstehen hatte. Zudem war die Herausforderung in der O2 Arena eine Premiere für ihn. Infolge eines Erfolgslaufes wie ihn Sascha gerade in London hatte, neigen wird dazu zu vergessen, wie jung und nach wie vor neu er auf der Tour ist. Ich würde seine Chancen, 2019 ein Major zu gewinnen, deutlich besser einschätzen wenn er in den letzten zwei Jahren mehr als nur ein Viertelfinale gewonnen hätte bzw. noch weiter gekommen wäre.

Abgesehen davon, gibt es keinen Grund warum es nächstes Jahr nicht passieren könnte. Jedoch müsste er sich dafür in der ersten Jahreshälfte stetig weiterentwickeln und verletzungsfrei bleiben. Ehrlicherweise glaube ich aus den oben angeführten Gründen nicht, dass es schon bei den Australien Open soweit ist. Ich nehme aber an, dass er dennoch ein gutes Turnier in Melbourne spielt und danach können wir unsere Aufmerksamkeit den nächsten 3 Majors widmen. Roland Garros wird extrem schwer zu gewinnen sein wenn Novak Djokovic und Rafael Nadal gesund und in Form sind.

In Wimbledon könnte seine erste gute Chance sein, den Titel zu gewinnen, abhängig davon wer in welcher Form dabei ist. Denn dann sind 6 Monate der Saison vergangen und Sascha könnte durch gute Ergebnisse viel Selbstvertrauen aufgebaut haben. Mit seinem starken Aufschlag und der Fähigkeit den Ball zu beschleunigen, erscheinen mir Wimbledon und die U.S. Open als die beiden besten Möglichkeiten für einen Titel. Allerdings ist meine Definition von „Möglichkeit“ in diesem Zusammenhang eher ein kleiner Hoffnungsschimmer. Ich sage nicht nein, aber empfehle vorsichtigen Enthusiasmus.

MATT ZEMEK – @mzemek

Sascha Zverev wird ein Major gewinnen…aber nicht nächstes Jahr.

Als Zverev Novak Djokovic im Finale abfertigte – dem Rom Finale 2017 – glaubte  ich fest daran, dass er eines Tages eine der prestigeträchtigsten Trophäen im Tennis in die Höhe stemmen wird. Zverev war an diesem Tag eiskalt und unbeeindruckt. Auch wenn Djokovic nicht 100 prozentig fit war, wie wir im Nachhinein erfahren haben, hat Zverev diese schwierige Aufgabe mit einer unglaublichen Gelassenheit und Klarheit bewältigt. Als ich gesehen habe, wie er im Titelmatch der ATP Finals die langen Ballwechsel gegen Djokovic kontrolliert hat, erinnerte ich mich wieder daran.

Dieser Spieler wird es schaffen. Er wird eines der 4 wichtigsten Turniere im Tennis gewinnen. Die Frage ist nicht OB, sondern WANN.

Ich glaube aber nicht, dass es schon 2019 soweit sein wird.

Rafael Nadal, sofern er für die Sandsaison fit ist, wird Zverev in Roland Garros in die Schranken weisen. Djokovic ist der klare Favorit bei den Australien Open, wo er nach 2018 wieder gesund dabei ist. Roger Federer wird in Wimbledon angreifen, wo vermutlich aber auch Djokovic der Favorit ist.

Ich glaube wenn 2019 alles gut läuft für Zverev, sind die U.S. Open seine beste Chance. Wenn die „Big 3“ viel gespielt und viele Turniere gewonnen haben, könnte Zverev zur Stelle sein und einen Vorteil aus deren Müdigkeit ziehen… aber ich bezweifle es.

In Zverevs einzigem Grand Slam Viertelfinale letztes Jahr war sein Akku leer, da der Aufwand dieses eine Major Viertelfinale zu erreichen enorm war. Er hat so viel Energie verbraucht, sich durch 5-Satz Matches zu kämpfen, dass er seine Chancen das Turnier zu gewinnen vergeben hat.

Zverev ist die ATP Finals richtig angegangen. So muss er auch bei den Majors spielen… aber bei Grand Slam Turnieren so zu spielen ist etwas womit er nicht vertraut ist. Die Anpassung an ein Turnier stellt ein Puzzle dar, das er lösen muss, und das kostet Zeit – möglicherweise mehr Zeit als ein Jahr.

Was wäre ein gutes Grand Slam Jahr 2019 für Zverev? Ich glaube nicht, dass er unbedingt eines gewinnen muss, er muss nur konstant stark spielen und die Weichen für den nächsten Sprung 2020 stellen.

Zwei Viertelfinali und zwei Semifinali bei den Grand Slams 2019 wäre gut – ein Finale wäre ideal, aber nicht unbedingt notwendig. Dann wird er mit dem Wissen, bereit für große Titel zu sein, in die Saison 2020 gehen. In 2019 muss er nicht sämtliche Zweifel ausräumen, er muss nur seine Grand Slam Blockade überwinden, nicht konstant über 2 Wochen bei den großen Turniere spielen zu können.

The Tennis With An Accent staff produces roundtable articles and other articles with group input during the tennis season. Staff articles belong to the TWAA family of writers and contributors, as opposed to any individual commentator. Our staff produces roundtables every week of the tennis season, so that you will always know what the TWAA staff thinks about the important tennis topics of the times.

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